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Mitarbeitermotivation - Qual der Wahl

„Das motiviert mich jetzt aber mal gar nicht“. So deutlich kommunizierte unlängst ein Mitarbeiter seinen Unmut über eine Entscheidung bezüglich eines neuen Projekts. „Nice“ – das war die Reaktion eines Trainees, der gerne durch einen sehr lässigen Arbeitsstil auffällt und den wir mit einem recht kniffligen IT-Projekt konfrontierten.

 

Wir haben im Team flache Hierarchien, gute Kommunikation, ein entspanntes Arbeitsverhältnis trotz straffer Zeitpläne, moderne Meetingstrukturen. Aber auch das alles sind keine Garantien für motivierte Mitarbeiter. Und auch, wenn wir unser Team gut zu kennen glauben, ist es doch immer wieder ein Balanceakt, im richtigen Moment die passende Maßnahme zur Motivation einzusetzen.

 

Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist ausreichend beleuchtet und diskutiert. Doch auch die immateriellen Incentives wirken längst nicht bei jedem Teammitglied gleich gut.

 

Der Teilzeitkollege, dem es wichtig ist, seine Tochter rechtzeitig aus der Kita abzuholen, ist plötzlich enttäuscht, wenn er an einem neuen Projekt nicht aktiv mitwirken darf, bei dem bekannter Maßen regelmäßig auch in den Abendstunden gearbeitet werden muss. Und die Vollzeitkraft, die für den Vertrieb inklusive Telefonaten eingestellt ist, möchte nun grade im Sommer doch lieber früh anfangen zu arbeiten um am späten Nachmittag - wenn vermeintlich Kunden gut erreichbar sind – den Sommer und die Freizeit zu genießen. New Work und flexible Arbeitszeiten können wir bieten – aber nicht automatisch von allen Geschäftspartnern erwarten.

 

Wenn nun agil Führen und New Work bedeuten, dass wir solche Entscheidungen als Teamleiter gar nicht mehr treffen müssen, weil sich dies durch Selbstorganisation ergibt, dann liegen wir falsch. Denn genau dieses Augenmaß zu besitzen, die einzelnen Charaktere im Blick zu haben und immer wieder neu abzuwägen, was für wen der passende Anreiz, das passende Projekt und ein spannende Aufgabe darstellen kann, ist die größte Herausforderung.

 

Dabei dürfen wir nicht vergessen: auch bei bester Selbstorganisation und einem engagierten Team gibt es Aufgaben, die keiner so richtig gerne macht und die liegen bleiben. Motiviert man nun für die Übernahme dieser besonders oder doch für den Abschluss des Spitzenprojekts, das auch auf der nächsten Entscheidungsebene für Furore sorgt?

 

Genau dies sind und bleiben die Herausforderungen auch in der Welt des New Works – aller Digitalisierung stehen Menschen gegenüber, die sich individuell verhalten und darum werden sich Arbeitsplätze und (Führungs-)aufgaben verändern, nicht aber Menschen und empathische Entscheidungen überflüssig machen – sie werden vielmehr verstärkt wichtig sein, um die digitalisierten Prozesse zu steuern und zu lenken.

 

Zurück zur Motivation: Was sagen wir nun dem Teammitglied, das sich in einem Projekt übergangen fühlt?

 

Es bleibt uns nur eins: noch besser hinzuhören, noch mehr zu kommunizieren und beim nächsten Mal zu einem gemeinsamen Konsens zu kommen. Oder eben auch einmal damit zu leben, jemanden nicht glücklich gemacht, aber eine effiziente Entscheidung im Sinne des Gesamtteams getroffen zu haben. Und uns auch überraschen zu lassen von einer unerwartet positiven Rückmeldung eines Kollegen – auch New Work hat immer zwei Seiten.

 

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